Samstag, 17. Februar 2018

Rezension "54 Minuten"

Titel: 54 Minuten
Autorin: Marieke Nijkamp 
Preis: 14,99 Euro
Verlag: Fischer FJB
Seitenzahl: 336 Seiten

Inhalt: Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Direktorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders. Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen. Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm Unrecht getan haben. Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist.
Fazit: Mir fällt es wirklich sehr schwer, hier überhaupt irgendwas zu schreiben. Allein bei dem Gedanken an die OHS wird mir noch ganz schlecht und ich würde mich am liebsten in eine Ecke kauern und um die Menschen weinen.
Ich habe das Buch gekauft aus Neugier. Amokläufe. Die sind meilenweit weg von mir, die haben auf mich überhaupt keinen Einfluss. Oder etwa doch? 
Als ich das Buch begonnen habe, kam am gleichen Tag die Meldung von einem Amoklauf in einer Highschool der USA mit 17 Toten. Scheiße, das alles ist viel zu real. 
Ich habe Seite um Seite mit diesen Menschen gelitten und doch habe ich keine Ahnung, wie sie sich gefühlt haben. Ich habe gezittert und geweint, aber nicht die leiseste Vorstellung wie die Kinder gezittert und geweint haben.
All dies kann überall, zu jedem Zeitpunkt geschehen. Deshalb werde ich mich nicht von der Welt fernhalten, aber ich werde es auch nicht mehr ignorieren. 
Während ich gelesen habe, habe ich einige erschreckende Entdeckungen gemacht. Auch ich habe Menschen manchmal so behandelt. Sie ausgeschlossen, mich über sie lustig gemacht und sie offen verspottet. Ach was sage ich, ich mache es heute doch auch noch. Allerdings bin ich bei weitem der harmlosteste Typ Mensch, denn ich rege mich nur über die auf, die mich persönlich angreifen. 
Trotzdem zeige ich diesen Charakterzug. So wie jeder andere von uns auch!
Das schlimme ist, ich hatte vor allem Mitleid mit Tyler. 
Diese ganze Situation war so abgefuckt, aber das ist natürlich keine Entschuldigung für das, was er getan hat. Man kann höchstens nachvollziehen, was einen Menschen in die Verzweiflung treibt, aber es gibt niemals einen Grund dafür Menschenleben auszulöschen. 
Am schlimmsten fand ich, dass es die Opfer behutsam ausgewählt hat. Das war nicht einfach nur ein Amoklauf, das war eine Hinrichtung.  
Der Stil ging sehr unter die Haut und am meisten hat es mich schockiert, dass bei so viel Hass, noch so viel Liebe sein kann. Hass und Liebe liegen nah beieinander und das habe ich hier sehr deutlich bemerkt. 
Ich kann es immer noch nicht richtig fassen, was da eigentlich passiert ist, aber ich sehe nun, dass wir viel aufmerksamer sein müssen. Stille Wasser sind tief und die stürmischen verstecken gerne Abgründe, von denen wir nichts ahnen. 
Meiner Meinung nach ist das Buch ein Meisterwerk, denn es ist sehr ehrlich und offen. Das Thema hat mich zutiefst nachdenklich zurück gelassen und das sollte nicht nur mir so gehen. 

5/5

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