Donnerstag, 9. August 2018

Rezension "Du wolltest es doch"

Titel: Du wolltest es doch
Autorin: Lousie O'Neill 
Preis: 18, 00 Euro
Verlag: Carlsen 
Seitenzahl: 357 Seiten 

Inhalt: Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid? 

Fazit: Jeder der vor diesem Buch steht, wird vermutlich in erster Linie von dem Slogan "Du wolltest es doch" angezogen. "Du wolltest es doch" impliziert für mich zunächst nur Negatives. Etwas das man nicht möchte wird gemacht und im Nachhinein wird es dann so dargestellt, äls hättest du es ja gewollt. Allerdings wird jedem von uns klar sein, dass dies nicht der Fall ist. Daher stellen sich mir bei diesem Satz sofort die Nackenhaare auf.
"Du wolltest es doch."
Niemand sollte diesen Satz jemals in diesem Kontext zu hören bekommen. Ich finde im Vergleich zum Inhalt der Story ist das Cover daher echt zurück haltend und... unpassend. Die Blumen lassen einen das Cover schon schön finden, aber eigentlich möchte ich nichts an dem Thema schön finden.
Vermutlich ist das aber auch eine bewusste Provokation, daher nehme ich an, dass es letztendlich seinen Zweck erfüllt.

Emma ist meiner Meinung nach eine oberflächliche, unfreundliche Zicke. Ich mag sie nicht, da bin ich ganz ehrlich. Alles was sie interessiert ist, dass die schöner ist als alle anderen, dass sie mehr Aufmerksamkeit von den Jungs bekommt und, dass sie besser ist als alle anderen. Ich würde ihr im echten Leben aus dem Weg gehen und sie wegen ihrer Art verachten. Ich mag solche Menschen nicht, die so falsch sind.
Obwohl ich Emma nicht mag, ist der Verlauf der Handlung für mich absolut nicht nachvollziehbar.
Nichts, aber auch wirklich gar nichts, ist eine Einladung zur Vergewaltigung. Wenn Emma nicht zu 100% sagt, dass sie Sex mit jemanden möchte, hat der sie nicht anzufassen.
Sex ist nur dann gut, wenn er einvernehmlich geschieht. Alles andere ist Vergewaltigung. Jemand, der sagt, dass das Mädchen es provoziert hat, ist ekeleregend und sollte gleich mit eingesperrt werden. Diese geistig eingeschränkten Menschen haben offenbar nicht mehr Empathie als eine tote Ratte, denn sonst würden sie nachvollziehen können, dass eine Vergewaltigung etwas schlimmes mit dem Mädchen macht. Traumata, Selbstmordgedanken bis hin zu Versuchen, sich das Leben zu nehmen.

Man ist genauso ein Täter, wenn man es verschweigt oder sogar noch gutheißt.
Und hier kommen wir zu dieser Stadt. Zu Emmas Familie.
Emmas Mutter und ihr Vater, geben ihr die Schuld für alles. Sie ekeln sich vor ihr, ziehen sich zurück. Glauben wollen sie ihr nicht. Anstatt ihr Mädchen zu verteidigen ist ihnen das Ganze nur peinlich.
Diese Eltern sollten links und rechts einen an die Fresse bekommen und dann sollte Emma schnell das Weite suchen. Jemand, der so ist, hat es nicht verdient in ihrem Leben zu sein. Wie man seine eigene Tochter so behandeln kann, ist mir ein Rätsel. Aber es widert mich an.

Auch der Rest der Stadt ist widerwärtig. Kaum einer glaubt ihr, weil die Jungs so tolle Hechte sind und Sportprofis. Alle halten sich von Emma fern und die beginnt zu glauben, dass sie die Schuldige ist. Sie hat alles selbst verantwortet und ist Schuld. Sie zerstört das Leben der armen Jungen.
In was für einer Gesellschaft leben wir, dass ein Mädchen mit so einer Geschichte so denken muss?
Lebenslang weggesperrt gehören diese Jungen. Das ist meine Meinung.
Jemand, der so etwas tut, empfindet keine Reue, nein. Er genießt das und hofft, dass er das nächste Mal wieder damit durch kommt.
Natürlich verstehe ich, dass einige Frauen unschuldige Männer völlig in den Abgrund reißen, aber in Emmas Fall war einfach alles zu klar, als dass man die Reaktionen auch nur ansatzweise nachvollziehen könnte.

Das Buch hat einen unglaublich guten Einblick in das Thema vermittelt und mich Emmas Hilflosigkeit und Scham spüren lassen. Es ist augenöffnend und regt zum Nachdenken an. Natürlich gibt es nicht das Ende, dass wir uns wünschen, aber letztendlich gibt es das in der Realität fast nie.
Wir sollten das Thema mehr in den Fokus nehmen und versuchen den Opfern zu helfen. 

Ich bin sehr beeindruckt von dem Text und empfehle es jedem.
Denkt einfach drüber nach!

5/5 

Ihr seid selbst Opfer sexueller Gewalt geworden? Hier findet ihr Hilfe:
https://www.hilfeportal-missbrauch.de/startseite.html 
Schämt euch nicht, denn nicht ihr seid die Schuldigen. Das sind andere!

Hier kannst du das Buch erwerben!

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